"Die Ergotherapie unterstützt die Teilhabe an bedeutungsvollen Betätigungen als Weg zu körperlicher und psychischer Gesundheit sowie zu Lebensqualität. Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten verfügen über Kenntnisse zu Entwicklung, zugrunde liegenden Fähigkeiten und Interventionsstrategien, die notwendig sind, um eine wirksame Teilhabe in neun Betätigungsbereichen zu fördern"
(Bazyk, 2022)

Die Ergotherapie ist ein Gesundheitsberuf mit einem personenzentrierten Ansatz. Sie richtet sich an Menschen, deren körperliche, kognitive oder psychische Gesundheit und deren Wohlbefinden die Ausführung alltäglicher Aktivitäten – der Betätigungen – einschränken, die ihrem Leben Sinn, Struktur und Identität geben.
Zu den Betätigungen gehören die Selbstversorgung, die Haushaltsführung, die schulische oder berufliche Teilhabe, Mobilität, Zugang zur Gemeinschaft, Sport oder Hobbys sowie das familiäre Umfeld. Sie definieren uns, verbinden uns mit anderen und tragen zu unserem psychophysischen Gleichgewicht bei. Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten erkennen an, dass das "Tun" einen direkten Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden hat: Betätigungen ermöglichen uns zu "tun, zu sein und zu werden" (Wilcock, 1998), indem sie Identität stiften und Chancen für Wachstum, Lernen und persönliche Entfaltung schaffen.
Wenn Krankheit, Verletzung oder eine besondere Verletzlichkeit die Teilhabe in einem oder mehreren dieser Bereiche einschränkt, verliert der Alltag an Sinn und Kohärenz. Im ergotherapeutischen Prozess begleiten wir die Person bei der Formulierung realistischer und bedeutungsvoller Ziele, unterstützen die Wiedererlangung oder den Erhalt der Selbstständigkeit und erstellen zugleich ein umfassendes soziales und betätigungsbezogenes Profil.
"Die Ergotherapeutin ist die Fachperson, die Person, Umwelt und Betätigung wieder in Einklang bringt, damit das Leben erneut in die gewählte Richtung fliessen kann." Christiansen & Baum
Dieses Bild zeigt ein internationales ergotherapeutisches Modell, das die Bestandteile unseres rehabilitativen Handelns gut zusammenfasst.

Eine Beurteilung, die den Menschen in seiner Gesamtheit berücksichtigt
Die ergotherapeutische Rehabilitation umfasst körperliche, kognitive, sensorische, emotionale und soziale Komponenten. Die Anfangsanalyse ermöglicht es:
Aktivitäten entsprechend den vorhandenen Fähigkeiten zu graduieren
kompensatorische Strategien zu erkennen
Umweltanpassungen vorzuschlagen
Selbstständigkeit, Sicherheit und Teilhabe zu fördern
Das soziale Profil: eine zentrale Perspektive in der Rehabilitation
Neben der Analyse der Betätigungsbereiche erstellt die Ergotherapeutin ein vertieftes soziales Profil, das wesentlich ist, um die Person in ihrem realen Lebenskontext zu verstehen. Dieser Prozess ermöglicht die Erkundung sowohl persönlicher Merkmale als auch der Eigenschaften des Umfelds, in dem die Person lebt:
soziale Rollen (Elternteil, Schüler:in, Arbeitnehmer:in, Caregiver, Mitglied einer Gemeinschaft)
Routinen und Gewohnheiten, die den Alltag strukturieren
persönliche Merkmale und emotionale Dynamiken, die den Rehabilitationsprozess erleichtern oder erschweren können (yellow flags)
familiärer, kultureller und räumlicher Kontext mit den daraus entstehenden Überzeugungen und Bedeutungen
formelle und informelle Unterstützungsnetze
Werte, Interessen und Motivation
soziale, architektonische oder relationale Barrieren, die die Teilhabe einschränken
Dieses Profil wird zu einer Linse, durch die die Intervention auf eine wirklich personalisierte, tragfähige und identitätsorientierte Rehabilitation ausgerichtet wird. Die Person steht im Zentrum des Prozesses und übernimmt eine aktive Rolle bei der Vereinbarung und Erreichung der therapeutischen Ziele.
Spezialisierungsbereiche der Ergotherapie
Auf der Grundlage dieser Kompetenzen kann sich die Ergotherapie in verschiedene Interventionsfelder spezialisieren:
Neurologie
Pädiatrie
Geriatrie
Psychiatrie
Orthopädie – Rehabilitation der oberen Extremität